Wir alle haben sie: Nachbarn! Wer in einer Mietwohnung lebt, kommt daran kaum vorbei. Mit etwas Glück entwickeln sich darunter Freundschaften oder nette Kontakte. Ein wenig Geplauder oder kleine Hilfsleistungen können den Alltag bereichern.

Doch was, wenn das dem einen oder anderen nicht genügt – und der Nachbar kommt gar ständig vorbei? Mir persönlich wird so etwas schnell zu viel. Alle, denen es damit ähnlich geht, finden hier meine erprobten Strategien, um lästige Nachbarn auf Distanz zu halten.

1. Auf gute Nachbarschaft – in Maßen

Gegen gute Nachbarschaft ist nichts zu sagen. Tatsächlich bringt sie sogar eindeutige Vorteile mit gegenüber völliger Abgrenzung. Selbst wer nie auf die Idee kommen würde, bei den Nachbarn zu klingeln und um etwas Reis zu bitten, profitiert von einem freundlichen Kontakt.

Der tägliche Weg durchs Treppenhaus erfolgt einfach stressfreier, wenn sich alle Mietparteien wohlgesinnt sind. Zudem ist es bei gutem Miteinander leichter, mal eine Party anzukündigen.

Hinzu kommt der Sicherheitsfaktor: Manchmal kann es einfach ganz gut sein, einen Ansprechpartner zu haben. Oder wenn die Nachbarn ein Auge offen halten.

Doch seien wir ehrlich: Manche halten ihre Augen einfach zu offen. Behalte die genannten Vorteile im Hinterkopf, aber scheue dich nicht, Grenzen zu setzen.

2. Eigene Grenzen erkennen

Mit Nachbarn ist es wie mit allen anderen sozialen Kontakten: Wie viel wir davon vertragen, hängt stark vom individuellen Persönlichkeitstyp ab.

Ich bin zum Beispiel eher extravertiert: Ich ziehe also Kraft aus dem Zusammensein mit anderen Menschen. So einfach ist es allerdings auch wieder nicht, denn es kommt schon stark auf die jeweiligen Personen und Situationen an.

Somit wird auch mir ein zu aufdringliches Umfeld schnell unangenehm. Für meine sehr introvertierte Freundin hingegen geht es noch viel schneller, dass ungewollter Kontakt einfach nur noch eine Belastung darstellt.

Es ist also hilfreich, sich einmal genauer damit zu befassen, wie du selbst eigentlich tickst. So erkennst du deine Grenzen. Das ist der erste Schritt.

3. Klare Fronten schaffen

Schritt 2 lautet: Nach den eigenen Bedürfnissen zu handeln. Du musst es nicht jedem recht machen. Wenn du merkst, dass du Ruhe oder Abstand brauchst, dann teile das mit: freundlich, aber bestimmt.

Ich hatte einmal einen Nachbarn – den ich zugegebenermaßen schon grundsätzlich nicht sonderlich mochte. Immer wieder kam er vorbei, um Lebensmittel zu leihen. In der Regel war es Reis. Zunächst bekam er durchaus welchen, man ist ja kein Unmensch.

Aber nach einer Weile war es einfach nötig, ihn elegant abzuweisen. Und siehe da: Die Botschaft war angekommen. Er ging von nun an wohl einfach zum Supermarkt, bevor er Risotto oder Curry kochen wollte.

Tipp:

Selbst wenn es dir zunächst schwerfällt, strikt nein zu sagen – eine klare und deutliche Ansage ist oft der beste Weg, um Missverständnisse zu vermeiden.

4. Neutral und distanziert bleiben

Wenn du weißt, dass du keinen Kontakt mit deinen Nachbarn wünschst, ist es wichtig, von Beginn an eher auf Distanz zu bleiben. Das gelingt, indem du höflich, aber zurückhaltend bleibst.

Gerade beim Neueinzug liegt darin die beste Vorgehensweise. Wenn die Chemie stimmt, werdet ihr das auch so schnell merken und trotzdem nähere Bekanntschaft schließen.

Etwas Smalltalk im Treppenhaus über das Wetter oder kleine Scherze sind absolut in Ordnung. Doch vermeide persönliche Details wie deine Beziehung, deinen Gesundheitszustand oder den deiner Liebsten. Auch tiefere Themen wie Träume, Hoffnungen oder Schicksalsschläge sollten außen vor bleiben.

Andersherum gilt natürlich auch, dass du die Nachbarn nichts allzu Persönliches fragen solltest. Manche warten nur genau darauf und legen regelrechte Köder aus. Nach einigen Worten oder vielleicht bereits nach einem netten Gruß ist es vollkommen in Ordnung, weiterzugehen.

Denn was andernfalls passiert, ist: Du setzt die Hürde herab, je mehr du und die Nachbarn übereinander wissen. Einige Personen sehen ohnehin schon keine sozialen Hürden oder überspringen diese rücksichtslos.

Wichtig:

Durch dieses Verhalten können peinliche Pausen im Dialog entstehen. Ebenso mögen dich manche für arrogant, reserviert oder kühl halten. Das musst du akzeptieren und vielleicht mit einem charmanten Lächeln überspielen.

5. Angebote für Kontakt machen

nachbarn verhältnis verbessern

Du kannst dir durchaus vorstellen, etwas Zeit mit deiner Nachbarin oder deinem Nachbarn zu verbringen – nur eben nicht ständig in dem Maß, in dem die Person es einfordert? Dann geh in die Offensive und mach klare Vorschläge.

Du musst dich nicht rechtfertigen oder deinen gesamten Terminkalender ausbreiten. Ich persönlich würde auch sogenannte Notlügen vermeiden – hast du einfach nicht nötig. Umreiße klar, was du willst:

  • Wann genau du dir einen gemeinsamen Kaffee vorstellen könntest.
  • An welchen Tagen oder zu welchen Tageszeiten du hingegen überhaupt nicht erreichbar bist.
  • Welche Aktivitäten zusammen dir eine gute Idee scheinen.

6. Auf die sanfte Tour: die Situation erklären

Dein Nachbar kommt ständig vorbei oder tritt in Erscheinung, sobald du die Wohnung verlässt? Womöglich ist die Person einfach einsam und weiß sich nicht anders zu helfen. Vielleicht tut er dir sogar leid. In diesem Fall kannst du versuchen, die Situation aus deiner Sicht zu erklären.

Starte positiv und versichere, dass er dir grundsätzlich sympathisch ist oder du dich gerne mit ihm unterhältst – aber nur, wenn das wirklich so ist. Dann schilderst du, dass du keine Zeit für ständige lange Gespräche hast oder dass sich zu viel Kontakt für dich einengend anfühlt.

Vielleicht kannst du das sogar mit dem vorangegangenen Punkt verknüpfen, und ein nettes Angebot machen: Etwa, dass er einmal im Monat auf einen Tee vorbeikommen darf oder für einen gemeinsamen Spaziergang.

7. Härtere Geschütze: auf Durchzug schalten

Natürlich gibt es auch andere Arten von Nachbarn: Jene Exemplare, die sich nicht für ihre Neugier schämen, die einfach nur dreist und unsozial sind oder schlichtweg taub für alle vernünftigen Erklärungen und Ansagen.

Hier solltest du die Distanz noch deutlich weiter ausdehnen und diese Nachbarn so weit wie möglich ignorieren.

Unterwegs

Begegnet dir die Person unterwegs oder beim Betreten und Verlassen des Hauses, genügt ein knapper Gruß oder nur ein Kopfnicken. Auf lange Gespräche oder gar Diskussionen lässt du dich gar nicht ein, sondern gehst direkt weiter.

Im Garten oder auf Balkon und Terrasse

Bist du draußen für deine Nachbarn sichtbar, dann verfahre ebenso: Erfülle mit einem kurzen Gruß deine Höflichkeitspflichten und dann wirke eindeutig nicht weiter ansprechbar:

Du kannst etwa deinen Terrassenstuhl wegdrehen, die Augen schließen oder Kopfhörer anziehen – oder alles auf einmal.

In der Wohnung

Einige besonders penetrante Ausführungen an Nachbarn scheuen nicht davor zurück, dir direkt ins Fenster zu gaffen. Dort erwarten sie oft auch noch, gegrüßt zu werden.

Nichts da, hier bist du in deinem privaten Raum und musst niemanden grüßen oder auch nur zur Kenntnis nehmen. Als klares Zeichen, was du von diesem Verhalten hältst: Lasse vor der Nase dieser Person das Rollo herunter.

8. Immer auf der Durchreise sein

Aufdringlichen Nachbarn aus dem Weg zu gehen, ist manchmal die einfachste und beste Lösung. So reduzierst du mögliche Zusammentreffen auf ein Minimum und erzeugst bereits dadurch die nötige Distanz.

Es mag etwas wie in einem Nerd-Film klingen, aber die folgenden Maßnahmen erfüllen ihren Zweck:

  • Vor dem Verlassen der Wohnung lauschen oder durch den Spion spähen, um zu überprüfen, ob Nachbarn in der Nähe sind.
  • Immer zielstrebig und beschäftigt aussehen und Gesprächsversuche mit Blick auf die (imaginäre) Uhr abblocken.
  • Die Schlüssel bereits griffbereit haben, wenn du dich dem Eingang näherst, um schneller in der Wohnung zu sein.
  • Mit Gästen nicht lange im Durchgang, Haus oder Hof aufhalten, sondern erst einmal ab in die eigenen vier Wände.
  • Jalousien vorübergehend geschlossen halten, um neugierige Blicke auszusperren.
  • Wo immer möglich, Sichtschutz anbringen – etwa auf Balkon und Terrasse

9. Wenn gar nichts mehr hilft: tot stellen

Nur weil es an der Tür klingelt, heißt das nicht, dass du auch öffnen musst. Wenn du genau weißt, dass du sonst niemanden erwartest, dann sorge wenn nötig auf diese Weise dafür, dass du deine Ruhe hast. Natürlich sollte es nie so weit gehen, dass du dich aufgrund lästiger Nachbarn selbst einengst.

Allerdings kann es oft schon ein wichtiges Signal setzen, wenn du nicht jederzeit zur Verfügung stehst. Für den Fall, der Nachbar kommt ständig, um die eigene Langweile zu überbrücken, wird es dem Störenfried mit etwas Glück schnell zu unbequem, regelmäßig vor verschlossenen Türen zu stehen.

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